Das Riesengebirge

An dieser Stelle beschäftigen wir uns mit dem Riesengebirge. Zuerst sehen Sie ein Karte der Tschechischen Republik mit den ehemaligen Siedlungsgebieten Ende 1937. Im Anschluß sehen Sie auf der folgenden Karte einen Auschnitt mit den Heimatgebieten der Sudetendeutschen; hier die Gerichtsbezirke Hohenelbe, Trautenau und Braunau. Sie sehen hier ebenfalls die Sprachgrenze bis 1945 (rote Linie). Die 3. Karte zeigt den politischen Bezirk Hohenelbe Stand 1938. An den Bezirk Hohenelbe grenzt im Osten der Bezirk Trautenau, im Südosten der Bezirk Königinhof, im Südwesten der Bezirk Neu-Paka und im Westen der Bezirk Starkenbach an.

Ausschnitt aus: "Deutschland und die Deutschen in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa" Tschoslowakei heute Legende Legende

Ausschnitt aus: "Böhmen, Mähren und Sudeten-Schlesien" Böhmen, Mähren und Sudeten-Schlesien

Übersichtskarte des politischen Bezirke Hohenelbe Übersichtskarte Hohenelbe


Das Riesengebirge - böhmischer Teil

Anschließend an das Reichenberger Becken und das Isergebirge erhebt sich das Riesengebirge, an welches sich das Braunauer Ländchen mit dem Adlergebirge anschließt. Das Riesengebirge erstreckt sich als nordöstliches Rand- und Grenzgebirge des Böhmischen Beckens. Das böhmische Riesengebirge, auf dessen Gebiet der Gerichtsbezirk Hohenelbe liegt, erstreckt sich über eine Länge von ca. 40 Kilometer, die Breite erreicht kaum 20 Kilometer. In der Höhe rangiert es in Mitteleuropa nach den Alpen und den Karpaten an dritter Stelle, die höchste Erhebung ist die Schneekoppe mit 1603 Metern. Etwa ein Drittel der Gesamtfläche liegt auf schlesischen Gebiet. Geologisch besteht das Riesengebirge aus Granit und Gneis und Glimmerschiefer.

Das Ursprungsgebiet der Elbe und das Heimatland des Berggeistes Rübezahl war schon sehr früh teils touristisch erschlossen, industrialisiert und besiedelt worden. Bereits 1201 beginnt die deutsche Besiedlung dieses Gebietes durch die Machtübernahme Heinrich I. von Schlesien. Die nachweislichen Anfänge des Ortes Hohenelbe liegen im 13. und 14. Jahrhundert, Arnau ist seit 1139 als Grenzbefestigung nachgewiesen aus der Zeit Premysl Ottokar II. Und vermutlich zwischen 1250 und 1260 wurde Arnau das Stadtrecht verliehen. 1533 verlieh Kaiser Ferdinand I. dem Ort Wrchlab/Giesdorf den Namen "Hohenelbe" und erhob die alte Feste zur Bergstadt Hohenelbe mit dem bekannten Wappen. Im Jahre 1546 wurde der Bau seines Schlosses unter Christoph von Gendorf fertiggestellt, dieses ist bis heute weitgehend erhalten.

Von den 62 selbstständigen Gemeinden des Landkreises Hohenelbe waren 4 mit Stadtrecht ausgestattet, nämlich Hohenelbe, Arnau, Rochlitz und Schwarzental. Rochlitz wurde zwischen 1547 und 1562 durch die Herrschaft von Starkenbach als Glashüttensiedlung gegründet, Schwarzental wird 1383 zum ersten Mal genannt, im Jahre 1552 erhob Kaiser Ferdinand I. Schwarzental zum Marktflecken, 1564 wurde Schwarzental zum "Bergstadtl Schwarzenthal" erhoben.

Hinsichtlich der Industrialisierung existierten frühzeitlich Bergbaubetriebe, im 19. Jahrhundert hielten die Textilindustrie, die Papierindustrie und Holzindustrie, sowie Glasindustrie Einzug. Die Land- und Forstwirtschaft breiteten sich aus. Auch die Kalkverarbeitung war verbreitet.

Der Fremdenverkehr nahm im 19. Jahrhundert rapide zu, das Riesengebirge war eine Wiege des modernen Skisportes, so wurde bereits 1898 der "Verein deutscher Skiläufer" in Hohenelbe gegründet und große Wettkämpfe wurden um die Jahrhundertwende schon abgehalten. Eine Reihe wichtiger Daten sind zu nennen, wie die Tatsache, dass der österreichische und deutsche Skiverband vom Riesengebirge aus geleitet wurden. In der nordischen Kombination haben die Riesengebirgler Geschichte geschrieben - Namen , wie Guido Rotter, Gustl Berauer, Franz Buchberger, Alfred Möhwald sind unvergessen. Neben den Wintersportorten, wie Spindelmühle, Rochlitz, Harrachsdorf erlebten die sog. "Bauden" im Gebirge einen rasanten Aufschwung und prägten die wegemässige Erschließung des Riesengebirges mit.

Wappen Hohenelbe Wappen Arnau Wappen Rochlitz

Der Kreis Hohenelbe als politische Einheit bzw. ehemaliger Landkreis Hohenelbe



Der politische Bezirk Hohenelbe

Bis 1938 hieß so die staatliche Verwaltungseinheit, etwa unseren heutigen Landkreisen entsprechend. Der Bezirk erstreckte sich vom Grenzkamm des Riesengebirges bis zum Switschin nach Süden. Im Jahre 1900 hatte der politische Bezirk Hohenelbe eine Flächenausdehnung von 359,7 qkm und gliederte sich in die beiden Gerichtsbezirke Arnau und Hohenelbe. Der Gerichtsbezirk Arnau umfasste 17 selbstständige Gemeinden mit 20.235 Einwohnern; der Gerichtsbezirk Hohenelbe hatte 18 selbstständige Gemeinden mit 23.985 Einwohnern.

Der Landkreis Hohenelbe

1938 entstand nach dem Anschluß des Sudetengebietes an das Deutsche Reich der Landkreis Hohenelbe, es wurden dabei dem politischen Bezirk Hohenelbe deutschsprachige Gebiete aus den vormaligen politischen Bezirken Starkenbach, Neupaka und Königinhof zugeschlagen. Nunmehr gliederte sich der Landkreis Hohenelbe in drei Gerichtsbezirke, nämlich Arnau,Hohenelbe und Rochlitz. Der Landkreis Hohenelbe erstreckte sich nun über eine Fläche von 522,8 qkm und hatte 62.283 Einwohner, diese wohnten in 62 selbstständigen Gemeinden. Es gab Gemeinden mit mehrheitlicher tschechischer Bevölkerung und es gab andere Gemeinden mit nahezu vollständiger tschechischer Bevölkerung. Die Ursache dafür waren wohl die schwierigen topografischen Verhältnisse des Gebirges bzw. die Verkehrsverhältnisse. Es gab aber auch Gemeinden mit mehr oder weniger großer deutschsprachiger Minderheit, die außerhalb der Grenzziehung geblieben sind. Das Mitgliedsbuch des Heimatkreises nennt die Gemeinden im Einzelnen.


Die Vertreibung

Wie im gesamten Sudetengebiet wurden auch die Riesengebirgler 1945/46 ihres rechtmäßigen Eigentums beraubt und aus ihrer angestammten Heimat vertrieben, in Lager gebracht und unter menschenunwürdigen Verhältnissen außerhalb der Grenzen transportiert Es ist dokumentarisch belegt, dass eine sehr große Anzahl von Riesengebirglern von anrückenden Tschechen ermordet, aufgehängt, erschossen, erschlagen oder erstochen worden sind. Frauen wurden vergewaltigt. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Deutsche vertrieben. Es kamen dabei ca. 200000 Deutsche (Zahlenangaben schwankend!) gewaltsam zu Tode - man weiß teilweise nicht wo sie begraben sind.

Die Vertreibung wurde von der Regierung der Zweiten Tschechoslowakischen Republik unter Dr. Edvard Benes vorbereitet, veranlasst und bewusst und konsequent durchgeführt. Laut Benes wurde 1945/46 nachgeholt, was 1918/19 nicht möglich war. Erst verschiedene Interventionen der Siegermächte milderten die Vertreibungsprozesse etwas ab, ohne an der menschenverachtenden Art und Weise der Vertreibung selbst etwas zu ändern.

Heute leben die Riesengebirgler, wie die Sudetendeutschen insgesamt, überwiegend in der Bundesrepublik Deutschland, daneben auch in Österreich und anderen europäischen und überseeischen Ländern.
Die Riesengebirgler haben schon sehr früh in verschiedenen Erklärungen auf Gewalt, Rache und Vergeltung verzichtet.

Es sind dies die Eichstätter Erklärung von 1949, die Detmolder Erklärung von 1950, das Wiesbadener Abkommen 1950 und der Charta der Deutschen Heimatvertriebenen von 1950 in Stuttgart. Nach wie vor stehen die Sudetendeutschen dazu, aber verlangen das Heimatrecht, die Lösung der offenen Probleme und eine Genugtuung auf der Basis der historischen Wahrheit.

Zur Übersichtkarte über die Vertreibung von 1945-1950, den Abdruck der Charta der deutschen Heimatvertriebenen und zum Riesengebirgslied klicken Sie hier.